Außenansicht des D3 und des AD Gebäudes

Beginnende internationale Rezeption

Beginnende internationale Rezeption

Charles T. Spra­ding: Li­ber­ty and the Great Li­ber­ta­ri­ans. An An­tho­lo­gy on Li­ber­ty. A Hand-​Book of Free­dom, Gol­den Press, Los An­ge­les, 1913, 416-​424. Zwi­schen Bei­trä­gen über Henry David Tho­reau und Fran­cis­co Fer­rer fin­det sich auch ein Ab­schnitt, der dem Ös­ter­rei­cher Theo­dor Hertz­ka ge­wid­met ist.
(Bild­quel­le: Haupt­ti­tel, Spra­ding)

Mit dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del und der Ex­pan­si­on der in­dus­tri­el­len Bal­lungs­zen­tren im 19. Jahr­hun­dert trat die Bo­den­fra­ge zu­neh­mend drän­gen­der her­vor. Klein­räu­mi­ge Struk­tu­ren kamen zu­neh­mend ab­han­den, und bis zur Jahr­hun­dert­wen­de wuch­sen zahl­rei­che Markt­sied­lun­gen und Mit­tel­städ­te zu Mil­lio­nen­me­tro­po­len heran. Die Ver­knap­pung der Bo­den­flä­chen im ur­ba­nen Raum trieb die Wohn­kos­ten nach oben und ver­schlech­ter­te die psy­cho­so­zia­le Si­tua­ti­on in den Städ­ten dras­tisch. Für die Boden-​ und Haus­ei­gen­tü­mer je­doch ent­wi­ckel­ten sich die Ver­hält­nis­se güns­tig. Die Ren­ten­ein­künf­te stie­gen nach Über­win­dung der Wirt­schafts­kri­se 1873 ff spür­bar, eben­so die die Bo­den­wer­te. Da­ne­ben waren immer wie­der auch be­trächt­li­che Spe­ku­la­ti­ons­ge­win­ne zu ver­zeich­nen. Nach und nach ent­stand das Be­wusst­sein, dass eine Pri­vat­ei­gen­tums­ord­nung beim Zu­gang zu Grund und Boden mo­no­pol­ar­ti­ge Ver­en­gun­gen her­bei­führt, so­dass sich bo­den­re­for­me­ri­sche Ideen rasch zu ver­brei­te­ten be­gan­nen. Zu den ers­ten Wirt­schafts­pu­bli­zis­ten, die in Ös­ter­reich auf die be­son­de­re Pro­ble­ma­tik auf­merk­sam mach­ten, ge­hör­te Theo­dor Hertz­ka. Sein Lö­sungs­an­satz, Grund und Boden zu einem Ge­mein­ei­gen­tum zu ma­chen, wurde von Zeit­ge­nos­sen je­doch als we­ni­ger ra­di­kal emp­fun­den, als dies heute oft ver­mu­tet wird. Wich­ti­ge Öko­no­men wie Hein­rich Gos­sen und Leon Wal­ras ver­tra­ten durch­aus ver­gleich­ba­re Ge­dan­ken. Auf Hoch­schul­bo­den war es vor allem Franz Op­pen­hei­mer, der Hertz­kas An­re­gun­gen auf­griff und pro­gramm­ar­tig wei­ter­ver­ar­bei­te­te. Im Dis­kurs über die Bo­den­fra­ge lie­fer­te er sich vor allem mit Jo­seph Schum­pe­ter eine hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung. Als die Gartenstadt-​Idee in Deutsch­land an Ein­fluss ge­wann, be­gann sich Op­pen­hei­mer per­sön­lich an bo­den­re­for­me­ri­schen Pro­jek­ten zu be­tei­li­gen, wobei er mit dem sied­lungs­be­geis­ter­ten Gus­tav Land­au­er zu­sam­men­wirk­te. Als Chef­öko­nom der zio­nis­ti­schen Be­we­gung ließ Op­pen­hei­mer seine An­sät­ze bei den ers­ten Kibbuz-​Gründungen in Pa­läs­ti­na ein­flie­ßen. (Wie Theo­dor Hertz­ka war auch der Autor des „Ju­den­staa­tes“, Theo­dor Herzl, für die „Neue Freie Pres­se“ tätig ge­we­sen.) Nicht we­ni­ge Au­toren äu­ßer­ten sich po­si­tiv über den „Frei­land“-​Entwurf. Der Rä­te­so­zia­list Otto Rühle sah darin eine „Umweg-​Utopie“ auf dem Wege zu einer neuen Ge­sell­schaft, der An­ar­chist Max Nett­lau gab Hertz­kas „ex­pe­ri­men­tel­lem So­zia­lis­mus“ die bes­ten Wün­sche mit auf die Reise.

Literatur:
  • Otto Rühle: Bau­plä­ne für eine neue Ge­sell­schaft, Rein­bek bei Ham­burg 1971.

  • Ger­hard Senft: Auf­bruch in das ge­lob­te Land. Die Ur­sprün­ge der Kibbuz-​Wirtschaft, Wien 1997.