Prävention statt Räumung – es rechnet sich

Warum jeder investierte Euro in Delogierungsprävention gesellschaftlichen Nutzen bringt

Eine Wohnung zu verlieren, ist für viele Menschen der Beginn eines drastischen sozialen Abstiegs. Ohne festen Wohnsitz drohen Armut, Gesundheitsprobleme und Isolation. Doch was wäre, wenn Delogierungen verhindert werden könnten? Und wenn es nicht nur den Betroffenen helfen, sondern auch der Gesellschaft nützen würde?

Mehr über dieses Thema

Das Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen an der WU führte mehrere Studien durch, um die Auswirkungen von Delogierungsprävention zu untersuchen. Im Zentrum einer Studie stand eine sogenannte Social Return on Investment (SROI)-Analyse. Der Fokus? Herausfinden, welchen Wert präventive Maßnahmen haben. Dazu wurden Daten gesammelt, Szenarien durchgespielt und zahlreiche Interviews geführt. Die zentrale Frage: Lohnt es sich, Delogierungen zu verhindern? Die Antwort kam schnell. Und sie war eindeutig:

Jede in die Delogierungsprävention investierte Maßnahme erzeugt einen gesellschaftlichen Mehrwert von 94 Euro pro investiertem Euro. Dies zeigt das Beispiel Fachstelle für Wohnungssicherung (FAWOS) der Volkshilfe Wien. Statt hohe Kosten für Notunterkünfte und Sozialdienste zu tragen, spart der Staat. Und nicht nur das. Menschen können ihre Wohnung behalten und ihr Lebensmittelpunkt bleibt bestehen. Kinder brauchen nicht den Kindergarten oder die Schule wechseln.

Auch während der COVID-19-Krise zeigte sich, wie wichtig das ist. Viele gerieten durch plötzliche Einkommenseinbrüche in Gefahr, ihre Wohnung zu verlieren. Geförderte Programme wie der Wohnschirm vom Sozialministerium konnten Schlimmeres verhindern. Dieses Programm unterstützt Menschen, die im Zuge der COVID-19 Krise bzw. durch die Teuerungskrise mit ihren Mietzahlungen im Rückstand sind. Es wurde in enger Kooperation mit Sozialorganisationen konzipiert und setzt gezielt auf Prävention, bevor es zur Delogierung kommt. Schon jetzt zeigt sich: Dank dieser Maßnahme konnten viele Menschen in ihrer Wohnung bleiben und haben die Chance, sich langfristig finanziell zu stabilisieren.

Die Studien der WU haben den Wert der Delogierungsprävention wissenschaftlich untermauert. Sie haben datenbasiert aufgezeigt, wie wertvoll gesicherter Wohnraum für gesellschaftliche Teilhabe und zur Reduktion von Folgekosten ist. So hat sich die Sichtweise auf soziale Unterstützungsprogramme verändert. Prävention ist nicht nur humanitär sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig.

Key Facts

Das NPO-CC hat in drei Studien Wirkungen von Einrichtungen und Maßnahmen der  Delogierungsprävention, Wohnungssicherung und der Wohnungslosenhilfe näher beleuchtet:

  • Wirkungsanalyse der Wiener Wohnungslosenhilfe 09/2019-10/2020

  • Studie zum gesellschaftlichen und ökonomischen Mehrwert der Delogierungsprävention der Fachstelle für Wohnungssicherung Wien (FAWOS) mittels einer SROI-Analyse 06/2019-06/2024

  • Begleitende Evaluierung der Covid-19-bedingten Delogierungsprävention und Wohnungssicherung im Rahmen des "Wohnschirm"- Programms 06/2022-10/2024

Auftraggeber: Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen (1), Fachstelle für Wohnungssicherung Wien (FAWOS) (2) und Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) (3)

WU-Mitarbeiter:innen: Christian Grünhaus, Katharina Wankat, Eva More-Hollerweger, Anahita Parsian, ehemalige WU-Mitarbeiter:innen: Constanze Grünhaus (ehem. Beeck), Flavia-Elvira Enengl (ehem. Bogorin), Jana Pfrendl, Bettina Weitzhofer

SDGs

Weiterführende Informationen

Publikationen