Digitaler Humanismus beginnt beim richtigen IT-Design

Wie das Value-Based Engineering die digitale Welt revolutioniert

Move fast and break things – so lautete einst das Innovationsmotto von Facebook. Schnell entwickeln, auf den Markt bringen und die Probleme später beheben. Genau so funktionierte die Digitalwirtschaft über Jahre hinweg. Doch die Folgen dieser Denkweise sind längst sichtbar: Algorithmen, die Vorurteile zementieren. Plattformen, die Desinformation und Hass fördern und für Europas Organisationen immer unberechenbarer werden. Unternehmen, die auf Kosten der Nutzer*innen agieren. Was wäre, wenn digitale Produkte von Anfang an ethisch wertvoll gestaltet würden?

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Diese Frage führte zur Entwicklung des weltweit ersten Standards für ethisches Systemdesign: ISO/IEC/IEEE 24748-7000. Unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Sarah Spiekermann-Hoff von der Wirtschaftsuniversität Wien entstand in 5 Jahren intensiver Arbeit ein Modellprozess, der Entwickler*innen klare Handlungsanweisungen bietet, um ethische Werte direkt im Designprozess von technischen Produkten und Services zu verankern. Die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Ansatzes hat Univ. Prof. Spiekermann-Hoff bereits 2023 in ihrem Buch „Value-based Engineering – A Guide to Building Ethical Technology for Humanity“ zusammengefasst, was 2025 auch in deutscher Sprache erscheint.

Warum ist dieser Standard so besonders? Weil er globale Gültigkeit hat und nicht bloß ein weiterer Kodex oder eine Selbstverpflichtung einzelner Unternehmen ist. Er wurde von über 130 internationalen Fachleuten erarbeitet und verifiziert und richtet sich an Entwickler*innen technischer Systeme, die mit ihren Entscheidungen die digitale Welt formen. Dabei geht es um mehr als technische Anforderungen. Es geht um Fragen wie: Welche Werte sollen unsere Technologien fördern? Wie vermeiden wir Risiken für Umwelt und Gesellschaft? Und wie können Unternehmen durch wertvolle Produkte im Wettbewerb punkten?

Die Ergebnisse sprechen für sich. Organisationen wie BMW und UNICEF haben den Standard erfolgreich getestet. Ein UNICEF-Projekt zur Förderung afrikanischer Jugendlicher wurde 2023 mit dem Living Standards Award ausgezeichnet. Auch im Bildungsbereich hat Value-based Engineering großen Erfolg. Über 250 WU-Studierende wurden seit 2021 im Rahmen des Masterprogramms „Digital Economy“ in dieser Methode geschult. In einem neuen Zertifizierungsprogramm „VBE Ambassador“ konnte Austrian Standards bereits innerhalb von 9 Monaten 43 Fachleute zertifizieren. Sie haben die Möglichkeit genutzt, ihre Kompetenzen in ethischer Systementwicklung weiter auszubauen.

Doch das ist erst der Anfang. Value-based Engineering verändert die Innovationskultur in der digitalen Welt nachhaltig. Es bietet eine Grundlage für Technologien, die nicht nur effizient und gewinnbringend sind, sondern auch menschlich. Der ISO/IEC/IEEE 24748-7000-Standard stellt sicher, dass die nächste Generation digitaler Produkte echten Fortschritt bedeutet – für E-Government Angebote, weshalb die Stadt Wien den Standard schon Teil der Strategieagenda 2023 gemacht hat; aber auch für Unternehmen, Nutzer*innen und die Gesellschaft. Ein Schritt hin zu einer verantwortungsvolleren, nachhaltigeren Digitalisierung.

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Key Facts

  • Laufzeit: 2016 - 2024

  • Institut: Institut für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft

  • Department: Department for Information Systems and Operations Management

  • Weitere WU- Partner: IEEE SA

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